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Gitarre & Bass 12 1998 : Lizard

 

Lizard

D O M M E N G E T

Dommenget (sprich: Dommongschee) - das klingt nach Baguette, Rotwein, jeanette, Fußball - aber: Boris Dommenget ist Deutscher, wohnt in Hamburg, also in der Stadt der Hamburger, der/des Alster(s), der Jennys und St. Pauli.

Es ist doch ein wunderbarer Zufall, daß in einer G&B-Ausgabe mit Melancon und eben Dommenget gleich zwei Gitarren mit französisch klingendem Herstellernamen vorgestellt werden, die aber eigentlich nichts mit Frankreich am Hut haben. Da kann man einfach zweimal die gleiche Intro Schreiben ...

Egal - Boris Dommenget hatte nie Ärger mit den Franzosen wegen seines Namens, sondern mit einer amerikanischen Firma namens Gibson wegen seiner Gitarren. Vor allen Dingen in den USA fühlten jene sich massiv durch einige Les-Paul-Modelle von Dommenget gestört, die in New Yorker Läden zu sehen waren. Gibson setzte diese Läden mit der Androhung, sie in Zukunft nicht mehr beliefern zu wollen, solange sie Les-Paul-Kopien verkaufen würden, massiv unter Druck. Klar, daß in einem solchen Fall der Händler die Dommenget-Gitarre mit Bedauern zurückgeben mußte. Nun - Dommenget, der im übrigen nicht nur Les-Paul-ähnliche Instrumente baut, hat sich nun neben seinen Les-Paul-, Tele- und Strat-Modellen ein neues Modell einfallen lassen, das die Ähnlichkeit zur Gibson-Ikone zwar nie verleugnet, aber eine Design-Distanz aufweist, die wahrscheinlich ausreicht, um die Herren in Nashville zu beruhigen.

 (Um eine Übersicht über die vielen, interessanten Instrumente, die der junge Gitarrenbauer bereits entwickelt hat, zu bekommen, empfiehlt sich der Klick auf seine Internet-Homepage: www.dommengetguitars.com)

K o n s t r u k t i o n

Daß er ein großer Fan der Les Paul ist, daraus macht Dommenget nach wie vor keinen Hehl. So besteht denn auch seine nun sehr persönliche Variante dieses uralten Themas aus den für eine gute Les Paul typischen Komponenten: Mahagoni-Korpus, gewölbte Ahorndecke, eingeleimter Mahagonihals mit Palisandergriffbrett mit 22 Jumbobünden und Abalone-Dot-Einlagen sowie nach hinten abgewinkelter Kopfplatte mit Mechaniken in 3:3-Konfiguration.

Auffälliges Designmerkmal, das der Gitarre einen untrüglichen Wiedererkennungswert verschafft und sie deutlich von einer Gibson Les Paul absetzt, sind die beiden Ausfräsungen an Ober- und Unterzarge der Gitarre, die an Elemente aus dem Geigenbau, aber auch zum Beispiel an den Höfner Beatles Bass oder eine andere Dommenget-Gitarre namens „Barock“ erinnern.

Die leicht wolkig gemaserte, zweiteilige Ahorndecke („quilted big leaf Western maple“) ist an ihren zargenseitig gelegenen Kanten nicht gebeizt, sondern nur klar lackiert worden. Somit bleibt die natürliche Farbe des Ahorns erhalten und wirkt wie eine elegante Holz-Einfassung. Das gleiche Verfahren finden wir auch an der Kopfplatte der Gitarre wieder; hier ist das hauchdünne, schwarz lackierte Ahornfurnier, mit dem die Mahagoni-Kopfplatte beleimt ist, ebenfalls am Rand naturbelassen. Die Lackierung des Korpus nennt Dommenget „tobacco sunburst“, hat aber dem „Tabak“ im Gegensatz zu der Farbgebung, die wir von Gibson unter dieser Bezeichnung her kennen, ein deutliches Rot beigemischt, so daß eine sehr feine, elegante 3-Tone-Sunburst-Farbe dabei herausgekommen ist.

Die Lizard ist komplett mit Nitrocellulose-Finish lackiert, bekanntermaßen die Lackierung, die dem Holz die Resonanzeigenschaften beläßt, allerdings auch etwas aufwendiger zu verarbeiten ist. Boris Dommenget, der sich schon einen Namen im Restaurieren alter Lacke gemacht hat, hat auch diese Lackierung meisterhaft hinbekommen; das dunkle Sunburst wirkt unter dem klaren Nitrolack sehr tiefgründig, und die Verarbeitung ist einwandfrei.

Der dreiteilige Mahagoni-Hals geht wie üblich am 15. Bund in den Korpus über. Im Gegensatz zu einer Gibson Les Paul ist der rückwärtige Übergang jedoch an der Treble-Seite wesentlich abgeflachter und griffiger gestaltet, so daß das Spielen in den obersten Lagen sehr erleichtert wird.

H a r d w a r e  u n d P i c k u p s

Gotoh-Mechaniken mit Metall-„Tulip“-Flügeln sowie Stoptailpiece, Brücke und die großen Gurtpins sind verchromt. Als Pickups werden Seymour-Duncan-Jeff-Beck-Humbucker, also die SH4-Typen, verwendet, die bekanntermaßen sowohl ein sattes Brett liefern als auch transparenter und brillanter als z.B. PAFs oder leistungsstärkere Distortion-Pickups klingen. Durch Herausziehen der beiden Ton-Potis lassen sich die beiden Humbucker einzeln auf Singlecoil-Betrieb schalten, was mehr Soundvarianten ermöglicht als eine normale Les-Paul-Schaltung sonst hergibt.

P r a x i s

Nein, schwer ist diese Gitarre weiß Gott nicht. Dommenget verwendet lieber leichteres Holz, weil in der Regel die Resonanzeigenschaften besser sind - und Sustain ist bei einer solchen Les-Paul-typischen Konstruktion baubedingt in ausreichendem Maß vorhanden. Außerdem achtet er sehr streng darauf, daß nur altes Holz, das wirklich lange genug abgelagert und getrocknet ist, zur Verwendung kommt. Diese Gitarre, deren andersartiges Design man spätestens dann vergißt, wenn sie einem über der Schulter hängt, spricht denn auch eine sehr prägnante und deutliche Sprache. Sie klingt warm, satt und hat einen sehr charaktervollen Anschlag, der nicht urpltözlich quasi vom Griffbrett springt, sondern sich ganz souverän, aber bestimmt, entwickelt und eine gesunde Basis für den lange und gleichmäßig ausklingenden Ton bietet. So klingt die Gitarre clean sehr rund und artikuliert, selbst jazzige Sounds sind auf dem Hals-Humbucker dank des satten und trotzdem warm-runden Anschlagsounds kein Problem. (Es ist schon erstaunlich, wie ein eigentlich für den Stegpickup konzipierter Pickup gerade in der Halsposition so glänzen kann - eine ähnliche Erfahrung machte ich einmal mit einem DiMarzio DLX, eigentlich einem Power- Pickup, der als Ersatz für P90-Sopabar-Typen gedacht ist. Auch dieser Pickup klingt in der Halsposition ganz hervorragend.)

Doch zurück zu unserer Eidechse, denn Lizard heißt nichts anderes als eben dieses. In Zukunft wird dies eine kleine Eidechse aus Perlmutt unterstreichen, die in die Kopfplatte eingelegt sein wird. In verzerrten Gefilden bewegt sich die Dommenget Lizard mit ähnlicher Souveränität wie im cleanen Bereich und ist hier auf jeden Fall mit Gibsons besten Les-Paul-Gitarren vergleichbar - und das ist, soweit ich weiß, noch nicht strafbar...

Transparente, druckvolle Akkorde, satte, rund-klingende Melodien mit reichem Obertongehalt, die so typisch-süßlich werden, wenn der Hals-Humbucker alleine aktiviert ist und um den 12. Bund herum gespielt wird, machen einfach eine Menge Spaß.

Die Singlecoil-Sounds, die die beiden Humbucker bei hochgezogenen Tone-Potis liefern, stellen natürlich eine Bereicherung des ansonsten sehr klassisch gehaltenen Konzeptes dar - im cleanen Bereich sind z. B. silbrige Rhythmussounds möglich, die von einer Gitarre dieser Art sonst nicht erwartet werden dürfen. Die Domäne dieser Dommenget ist jedoch das klassische Rockgitarrenspiel - hier ist sie einfach großartig!

R e s ü m e e

Boris Dommenget hat den Stein der Weisen mit der Lizard nicht neu erfunden, aber seine Version eines alten Konzeptes ist nicht nur sympathisch, sondern auf ganzer Linie überzeugend. Altes Holz, gute Pickups, eine perfekte (Nitro)Lackierung und Dommengets hervorragende handwerkliche Fertigkeiten lassen eine faszinierende, soll ich sagen: perfekte (?) Gitarre dieser speziellen Bauart entstehen.

P L U S

- musikalischer Sound

- Lackierung

- Verarbeitung

 

 

 

 

 

 

 

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