|
|
AKUSTIK GITARRE 02 2002 : Zu Besuch bei Boris Dommenget
Bekannt ist der Gitarrenbauer Boris Dommenget für superbe Sonderanfertigungen und einen durchaus eigenen Stil. Aktuell ist eins seiner ganz besonderen Werkstücke auf vielen Musiksendern zu sehen und zwar immer dann, wenn die „Scorpions“ ein Acoustic-Set anbieten.
Deren Kopf Rudolf Schenker pflegt bekanntlich eine große Leidenschaftfür die „Flying V“, jener gewagten E-Gitarrenkonstruktion in Pfeilform also, die Gibson Ende der 50er Jahre auf den Markt brachte. Um auch in akustischen Parts nicht auf sein geliebtes Instrument verzichten zu müssen, hat er sich von Boris Dommenget kürzlich eine Steelstring-V bauen lassen. Das klingt verrückt und ist es wohl auch - aber es muss offensichtlich funktionieren, denn Rudolf hat inzwischen zwei weitere Versionen in Auftrag gegeben. Gitarren von Dommenget spielen aber auch andere bekannte Musiker, wie Stephen Stills, Neil Schon, Ken Hensley, Ali Claudi oder Carl Carlton. Seine alte Heimat Hamburg hat der Gitarrenbauer kürzlich verlassen, um in Balje an der Elbmündung im tiefsten Friesland nun im eigenen Haus sein Handwerk auszuüben.
Erste Schritte
Den Weg zur Gitarre fand Boris Dommenget, Bj. 60, durch ein frühes Erlebnis: Im Alter von acht Jahren hatten ihn seine Eltern zu einem Flamenco-Konzert mitgenommen und in der Folge wollte der faszinierte kleine Boris unbedingt Gitarre lernen. Es dauerte immerhin noch ganze drei Jahre bis sich sein Wunsch endlich erfüllte. In der väterlichen Schreinerei verdiente er sich später mit Aushilfsjobs das Geld für den ersten Verstärker, die E-Gitarre etc. und spielte fortan in verschiedenen Bands. Mit dem Faible für technisches Zeichnen und der Arbeit mit Holz bewarb er sich für eine Ausbildung als Gitarrenbauer bei der renommierten Firma Hopf im Taunus. Nach dreijähriger Lehrzeit bei Dieter Hopf und mit dem Abschluss in der Tasche verließ er die Firma, richtete sich mit Anfang 20 eine eigene Werkstatt ein und begann, selbständig Gitarren zu bauen und Reparaturen auszuführen, er restaurierte aber auch Möbel um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Hilfreich war damals die im Wiesbadener Raum stationierte US Air Force mit gut besoldeten GIs, „die haben gut gekauft“. Anfang der 80er Jahre war Boris dann auch schon im Schlepptau von Pickup-Guru Bill Lawrence (vormals bekannt als Billy Lorento) auf der Frankfurter Musikmesse vertreten, allerdings damals noch unter dem Pseudonym „Anyway“, da im gestrengen Deutschland für die Ausübung selbständiger Handwerkskunst nach wie vor der Meistertitel gefordert ist. Nach einigem auf und ab war dann 1985 Schluss mit dem Gitarrenbau, die Air Base war aufgelöst, das Geschäft ging in die Knie und Boris verkaufte alles, was nicht in seinen Kasten-R4 ging und siedelte um nach England. Schnell fasste er als Möbelrestaurator in London Fuß und suchte nach einer Band, um musikalisch aktiv zu werden. Tatsächlich stieg er bei einer Gruppe namens „Bollock Brothers“ ein, war in der Folge viel unterwegs und verlor natürlich daraufhin seinen guten Job als Restaurator. 1988 brach er sich unglücklich die Hand und Schluss war’s mit der Gitarristen-Karriere. Er zog nach Hamburg, fing wieder an Gitarren zu bauen und gründete nach englischem Vorbild die „Altona Rehearsal Studios“. Über den direkten Kontakt zu Musikern kam er schnell wieder ins Geschäft und erwarb sich einen guten Ruf mit fachgerechten Reparaturen und mit zum Teil eigensinnigen Gitarrendesigns.
Know-how
Seither baut Boris Dommenget stetig seine Instrumente und das fast ausschließlich im Kundenauftrag. Sein Repertoire ist vielfältig und doch von bestimmten Grundzügen geprägt. Neben E-Gitarren versteht er sich besonders auf Archtops, wie etwa seine exklusiven Jazz-Modelle „Governor“, „Imperator“ oder „Rio“ belegen - aber auch in Sachen Flattops hat er einiges zu bieten. Er selbst schätzt sich als ganz traditionellen Gitarrenbauer ein, ist dem Handwerk tief verbunden. Gelernt hat er am Anfang viel von Dragan Musulin, Schüler von Körössi, der heute in Taunusstein klassische Gitarren und Flamencogitarren baut und als einziger in Deutschland lebender Gitarrenbauer einmal Paco DeLucia eine Gitarre verkauft hat. Boris hat also von der Pike auf gelernt und baut auch heute noch jede Gitarre Stück für Stück im Alleingang auf seine eigene Art und Weise. Um Stückzahlen geht es ihm nicht. Er sieht sich selbst als Gitarrist, hat viel auf der Bühne und im Studio gearbeitet und weiß inzwischen aus Erfahrung, worauf es ankommt, und das ist für ihn, wie er sagt, einfach nur der Klang. Ohne alte, gut abgelagerte, dadurch jedoch nur begrenzt vorrätige Hölzer geht das auf einem gewissen Niveau aber nicht und so schließen sich große Serien für diese Art des künstlerischen Gitarrenbaus schon aus diesem Grunde aus. Natürlich bietet er einige Standards an, erprobte Konstruktionen sozusagen, die sich formal und bautechnisch auf der Grundlage vielfältiger Erfahrungen entwickelt haben. Das aber ist ein Prozess, der fortdauert und je nach Kundenwunsch variiert werden kann.
Von Franz Holtmann (Text und Fotos)
|
|